Die deutsche Sprache

Leider sind viele der Meinung, dass die Sprache nur ein einfaches Hilfsmittel der Kommunikation ist, das nicht gepflegt werden muss. Aber das stimmt nicht.

Da gibt es irrwitzige SMS-Abkürzungen (braduhi? für "Brauchst du Hilfe?" oder DUWIPA! für "Du wirst Papa!") und Foren-Einträge, bei denen einem die Augen schmerzen.
Groß- und Kleinschreibung? Satzzeichen? Alles egal? Nein, ist es nicht. Damit die deutsche Sprache nicht ganz untergeht, hier die TOP-Irrtümer und Stolperfallen:

als und wie

Beispiele:
  • Er ist kleiner als sie.
  • Er ist so dick wie sie.
Die dämlichste Ausrede, um "als und wie" nicht korrekt anwenden zu müssen, habe ich vor einigen Jahren gehört: "Das kann man nun sagen, wie man will. Das steht im neuen Duden drin."

So ein Quatsch! Reformen hin und Reformen her. Ich bin ja mit den "Machern" der dt. Sprache auch nicht ganz einverstanden, aber die Anwendung und die Regeln für "als und wie" werden sich (hoffentlich) niemals ändern.

Also: Vergleicht man zwei unterschiedliche Gegenstände, Personen, Zustände usw. benutzt man als:
  • Er ist kleiner als...
  • Sie kann schneller rennen als...
  • Die Farbe ist dunkler als...
  • Sie ist mutiger als...
  • Es ist kälter als...
Vergleicht man dagegen zwei gleiche Gegenstände, Personen, Zustände usw. benutzt man wie:
  • Heute war es genauso warm wie gestern.
  • Sie ist so klug wie er.
  • Er mag Pizza genauso gerne wie Nudeln.
  • Das ist so teuer wie...
Das Wortkonstrukt "als wie" ist natürlich absoluter Blödsinn und nicht weniger unkorrekt als die falsche Verwendung von "als" und "wie".
(Auch wenn sich die Verwendung bei einigen Dialekten offenbar schon durchgesetzt hat.)
Nur weil eine Firma wie KIK (ich setze hier absichtlich keinen Link zur Webseite) mit dem Spruch "Besser als wie man denkt." wirbt und diesen Spot auch noch stolz von Verona mir-ist-nichts-zu-peinlich Pooth präsentieren lässt, ist dieser Hochverrat an der deutschen Sprache noch lange nicht richtig.

Traurigerweise werden genau solche Sprüche von der Gesellschaft übernommen und seine scheinbare (sic!) Korrektheit bis in alle Instanzen verteidigt.


Dasselbe und das Gleiche

"Das ist doch egal." hört man oft als Ausrede. Das stimmt in vielen Fällen, aber in einigen Situationen kann die falsche Anwendung einen großen Unterschied ausmachen.

Es ist dasselbe, wenn es sich wirklich um einen identischen Gegenstand, um genau diese Person usw. handelt:
  • Er trägt dieselben Socken wie gestern. -> Es handelt sich also um ein Paar Socken.
  • Er fährt dasselbe Auto wie seine Mutter. -> Er hat es ihr wohl abgekauft oder es sich ausgeliehen.
Etwas ist gleich, wenn die verglichenen Gegenstände, Personen usw. nur ähnliche Eigenschaften haben:
  • Wir fahren das gleiche Auto. -> Beide fahren bspw. einen SUV, aber trotzdem handelt es sich um zwei Autos.
  • Sie haben die gleiche Jacke. -> Hersteller und Farbe sind identisch, aber es sind zwei Jacken.
  • Das ist die gleiche Pizza, die ich gestern auch gegessen habe. -> Ich hoffe für Dich, dass es nicht dieselbe Pizza ist.


anscheinend und scheinbar

Auch gerne falsch benutzt (selbst von Profis wie bspw. Journalisten) sind "anscheinend" und "scheinbar", obwohl der Unterschied sehr einfach ist.

Beischeinbar handelt es sich um ein Ereignis, das auf gar keinen Fall eintreten wird oder eingetreten ist. Es scheint also nur so zu sein; ist es aber in Wirklichkeit gar nicht:
  • Er ist scheinbar schneller als sie. -> Ist er aber nicht. Sie ist schneller.
  • Es ist heute scheinbar kälter als gestern. -> Nein, gestern war es kälter.
Die Verwendung von anscheinend dagegen wird genutzt, wenn es sich um ein Ereignis handelt, das augenscheinlich oder offenbar eingetreten ist:
  • Es hat anscheinend geregnet. -> Weil bspw. die Straßen nass sind.
  • Er ist anscheinend kleiner als sie. -> Man kann es nicht genau erkennen. Es sieht so aus (und es wäre möglich), dass er kleiner ist.


einzige vs. einzigste

Das Wort "einzigste" gibt es nicht, auch wenn es umgangssprachlich gerne genutzt wird.
Von "einzig" gibt es keinen Komparativ/Superlativ, also keine Steigerung.

Dies gilt bspw. auch für tot, stumm und nackt. Oder hast Du schon einmal eine tote, stumme und nackte Person gesehen, die toter, stummer und nackter war, als eine andere Person?

Mir unbegreiflich ist, wieso die Steigerung von Farben (bspw. rot, roter, am rotesten oder auch rot, röter, am rötesten) offiziell zugelassen ist.
Wie kann etwas am rotesten oder am rötesten sein? Wie wird das verglichen? Was macht die Steigerung aus? Muss die Farbe dunkler sein, um roter/röter zu wirken? Oder heller?
Gibt es einen "Mittelpunkt der Farbe rot", an dem andere Rot-Töne gemessen werden müssen, um dann die Steigerung bilden zu können?

Keine Ahnung. Aber ich bin auch nur ein Laie. Pinselschwingende Künstler werden hierzu wohl mehr sagen können.


Worte vs. Wörter

Leider werden sehr oft "Worte" bzw. "Wörter" falsch genutzt.

"Worte" nutzt man, wenn es sich um Worte aus einem Satz, Spruch, Zitat oder einer Redewendung handelt, also die Aneinanderreihung der einzelnen Wörter einen Sinn ergeben:
  • Mir fehlen die Worte. -> Nicht "Mir fehlen die Wörter."
  • Den Worten eines Politikers sollte man nicht blind vertrauen.
"Wörter" ist lediglich die Mehrzahl von "Wort" und wird genutzt, wenn man Wörter im eigentlichen Sinne, also als Element eines Satzes, umschreiben will:
  • Ein Satz besteht aus mehreren Wörtern.
  • In einem Wörterbuch werden Wörter erklärt. -> Nicht in einem "Wortebuch"
Ich muss zugeben, dass dies wirklich nicht ganz einfach ist. Aber egal ist es trotzdem nicht.


Platzangst vs. Klaustrophobie

Die "Platzangst" wird umgangssprachlich dazu benutzt, um auszudrücken, dass man Angst vor engen Räumen hat. Dies ist jedoch falsch, denn die Angst vor engen Räumen wird als Klaustrophobie (lat. claustrum: "Käfig") oder Raumangst bezeichnet.

Wer unter Platzangst, also der Agoraphobie(griechisch agorá: "Markt") leidet, hat Angst vor großen Plätzen mit Menschenansammlungen.


seid vs. seit

Es ist zwar nur ein Buchstabe, doch auch er kann falsch sein. Dabei ist es doch recht einfach, "seid" und "seit" voneinander zu unterscheiden.

Das Wort "seit" bezieht sich immer auf einen zeitlichen Aspekt:
  • Es regnet bereits seit 3 Tagen.
  • Ich fahre seit 18 Jahren unfallfrei.
  • Seit wann wartest Du auf uns?
Besonders gut kann man sich dies merken, wenn man an das Wort "seitdem" denkt, denn dass "seitdem" einen Zeitpunkt oder eine Zeitangabe beschreibt, ist wohl jedem klar. Dagegen sieht "seiddem" auch schon völlig falsch und ungewohnt aus.

Folglich: Hat es etwas mit Zeit zu tun, nimmt man "seit" und ansonsten "seid".


Standard vs. Standart

Der Duden ist (ob es einem nun gefällt oder nicht) das Standardwerk, um Unklarheiten beim Gebrauch der deutschen Sprache zu beseitigen. Deshalb ist klar: Es heißt "Standard" und (fast) nie "Standart"!

Allerdings ist das Wort "Standart" nicht völlig nutzlos, denn man könnte damit die Art eines Messestandes (klein, groß, eckig,...) oder die Art und Weise der Körperhaltung (leicht gebeugt) beschreiben.

Dies kommt aber im täglichen Leben eher selten vor, so dass man zu 99.9% immer "Standard" verwenden sollte.


Und bedenke....

...die deutsche Rechtschreibung ist Freeware. Du kannst sie kostenlos nutzen.
Aber sie ist kein OpenSource-Projekt. Du darfst sie nicht verändern oder in veränderter Form veröffentlichen.
(Quelle: SMS eines unbekannten Autors)



Zum Schluß noch ein paar interessante Links:
- www.canoo.net
- www.dass-das.de/
- www.seit-seid.de
- www.deutschesprache-schweresprache.de